Vom Fischer und seiner Frau: Theater Triebwerk setzt „Fischer“ klangvoll ins Bild

Fundus-Theater. Das beste Theater ist das in unseren Köpfen. Schon Sergej Prokofjew hat in seinem Klassiker „Peter und der Wolf“ damit gearbeitet, nur die Tonspur zu liefern und die Bilder der Fantasie zu überlassen. Ähnlich radikal geht das Theater Triebwerk bei seiner neuen Produktion „Die Fischers“ vor, die jüngst im Fundus-Theater Premiere gefeiert hat. Statt das moralinschwere Grimm’sche Märchen „Vom Fischer und seiner Frau“ bieder zu inszenieren, setzen Irene Eichenberger, Uwe Schade (Cello) und Heino Sellhorn (Kontrabass) bei ihrem szenischen Konzert auf die Kraft von Wort und Klang.

Die Geschichte von der Frau, die nie genug bekommen kann, und ihrem ängstlich gehorchenden Mann erzählen sie mal mit verteilten Rollen, mal gleichsam im Chor und mit einem unerschöpflichen Schatz an akustischen Spezialeffekten. Alle unplugged – ob sie einen Sprachverzerrer nachahmen oder eine Plopp-Polka zum Besten geben. Das Ganze mixen sie mit dem lustvoll verfremdeten Contrapunctus XIII aus Bachs „Kunst der Fuge“. Man hört das Wasser schäumen und den Butt blubbern, und das fast ohne Requisiten: Das ist geistreiches, beglückend-forderndes Theater. Wir brauchen mehr davon. Nicht nur unsere Kinder.

Hamburger Abendblatt – 20. September 2011