Die Erde ist rund: Das Pionierdasein erweist sich als gar so einfach

Das Theater Triebwerk aus Hamburg bekommt im Burghof viel Beifall für die Kindergeschichte „Die Erde ist rund“ des Schweizer Schriftstellers Peter Bichsel.

LÖRRACH. Ein Mann, der weiter nichts zu tun hat, verbringt seine Zeit damit, dass er sich alles, was er weiß, nochmal überlegt. Da fällt ihm manches ein, auch dies: Die Erde ist rund. Nur sieht man das nicht. Aber der Mann weiß es. Wenn er immer geradeaus geht, kommt er irgendwann an seinen Tisch zurück. „Aber das glaube ich nicht, und deshalb muss ich es ausprobieren“, sagt sich der Mann.

Ein riesiger weißer Ballon hängt auf der Bühne im Burghof, wo das Theater Triebwerk aus Hamburg die Kindergeschichte „Die Erde ist rund“ des Schweizer Schriftstellers Peter Bichsel für ein junges Publikum ab sechs Jahren zeigt. Der Ballon dient zugleich als runde Erde und als Projektionsfläche, die mal als Globus erscheint, mal Bilder zeigt von der Reise um die Erde. Der Mann, der weiter nichts zu tun hat, spielt ab und zu auch Cello, ein zweiter Mann sitzt am Tisch und entlockt einem Computer Musik und Geräusche. Er trägt Knickerbocker-Hosen wie zu Anfang des 20. Jahrhunderts, zur Zeit der Pioniere. Doch das Pionierdasein ist gar nicht so einfach. Einfach losgehen, immer genau gerade aus, um die Erde zu umrunden, das klappt nicht. Da ist ein Haus im Weg, dahinter ein Wald, dann ein Fluss. Deshalb braucht er Leiter, Seile, Klettereisen, eine Taschenapotheke, unterschiedliche Kleidung, ein Schiff, einen Wagen, um alles zu transportieren, einen Kran, um alles über Hindernisse zu heben, ein Schiff für den Kran und einen Wagen für das Schiff und und und. „Äh…“, überlegt der Mann, und die Kinder im Saal lachen. „Warum nicht fliegen?“ Der Mann überlegt, und ganz nebenbei erfahren die Kinder eine Menge darüber, wer wann und wie die Erde umrundet hat und wie das in der Geschichte von Jules Verne war. Aber irgendwie ist alles zu kompliziert, und das macht den Mann traurig, zumal er schon alt ist. Am Ende läuft er einfach los, und man hört zu Schwarz-Weiß-Bildern auf dem Ballon Peter Bichsel selbst seine eigene Geschichte zu Ende erzählen.

Zwei Aufführungen hatte das Theater Triebwerk mit Uwe Schade und Heino Sellhorn als den beiden Männern, Johanna Stapelfeldt als Regisseurin und Melanie Huke als Ausstatterin am Mittwoch im Burghof. Die Kinder erlebten ein schön gemachtes, vergnügliches und dabei lehrreiches Theaterstück und gaben am Ende eine Menge Applaus.

Die Kindertheater-Reihe erwies sich erneut als eine erfreuliche und hochwertige Facette des Burghof-Programms und als tolle Sache, um Kinder für Kultur, Theater und Bildung zu begeistern. Zuletzt war der Fortbestand der Reihe gefährdet, da der Hauptsponsor seinen Rückzug angekündigt hat. Dem Vernehmen nach zeichnet sich ein neues Sponsoring ab, was vom Burghof bekannt gegeben werden soll, sobald die Verträge fertig sind. Wünschenswert ist es auf jeden Fall, noch mehr so gelungene Aufführungen wie „Die Erde ist rund“ im Burghof zu sehen. Autor: Thomas Loisl Mink

Thomas Loisl Mink – Badische Zeitung – 17. Dezember 2011