{"id":757,"date":"2013-05-20T20:25:01","date_gmt":"2013-05-20T18:25:01","guid":{"rendered":"http:\/\/www.theater-triebwerk.de\/wordpress\/?p=757"},"modified":"2014-11-20T14:30:17","modified_gmt":"2014-11-20T12:30:17","slug":"jo-im-roten-kleid-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theater-triebwerk.de\/wordpress\/jo-im-roten-kleid-2\/","title":{"rendered":"\u201cJo im roten Kleid\u201d"},"content":{"rendered":"<p>Ero\u0308ffnung \u201eSpurensuche\u201c mit \u201eJo im roten Kleid\u201c<br \/>\nHighlight, Kinder &amp; Jugend, Kritiken, Spurensuche 2014, Vorberichte \u2014 By Redaktion-SI on 26. Juni 2014 1:40 Uhr Fundus Theater<\/p>\n<p>Ero\u0308ffnung \u201cSpurensuche\u201d mit \u201cJo im roten Kleid\u201d \u2014 Godot \u2013 Das Hamburger Theatermagazin.\u00a0\u00a0 \u00a010.07.14 16:12<br \/>\nPreisgekro\u0308ntes Duo zur Ero\u0308ffnung der \u201eSpurensuche\u201c: \u201eJo im roten Kleid\u201c vom Theater Trieb- werk aus Hamburg<br \/>\nText: So\u0308ren Ingwersen | Foto: Margaux Wei\u00df<br \/>\nLeere Stu\u0308hle sind beim Ero\u0308ffnungsempfang des fu\u0308nfta\u0308gigen Festivals \u201eSpurensuche\u201c im Fundus Theater Mangelware. Etwa 120 Theatermacher sind bis zum 29. Juni im Kinder- und Jugendtheater in der Hasselbrookstra\u00dfe zu Gast. Fu\u0308r Theaterleiterin Sibylle Peters der \u201eHo\u0308hepunkt einer dreija\u0308hrigen Testphase\u201c. Gemeint ist das hauseigene Format des \u201eForschungstheaters\u201c, bei dem es darum geht, mit spielerischen Aktionen ein besseres Versta\u0308ndnis fu\u0308r komplexe Problemfelder zu entwickeln. Ort des \u201eForschungstheaters\u201c ist der neue Raum direkt hinter der Bu\u0308hne, in den Peters live hineinfilmt. Das Kamerabild zeigt eine offene Tu\u0308r auf dem geschlossenen Vorhang: \u201eNun ist unser Haus gro\u00df genug fu\u0308r die \u201aSpurensuche\u2018!\u201c Die kleine Perfor!mance zur Begru\u0308\u00dfung im Theatersaal kommt gut an.<br \/>\nIn den na\u0308chsten Tagen werden auf dem Festival der Assitej (Association Internationale du The\u0301a\u0302tre pour l\u2019Enfance et la Jeunesse), das seit seiner Premiere 1992 auf Kampnagel erstmals wieder in Hamburg stattfindet, herausragenden Produktionen des freien deutschsprachigen Theaters fu\u0308r Kinder und Jugendliche gezeigt. Hinzu kommen Workshops, Vortra\u0308ge und Inszenierungsgespra\u0308che. Am Ero\u0308ffnungstag steht eine Hamburger Inszenierung gleich zweimal auf dem Programm: die 2013 mit dem Kindertheaterpreis der Hamburgischen Kulturstiftung ausgezeichnete Produktion \u201eJo im roten Kleid\u201c vom Theater Triebwerk.<br \/>\nDas Kleid seiner Mutter mo\u0308chte er anziehen. Das mit dem tiefen Ausschnitt. Und sich dann vor dem Spiegel bewundern. Muss Jo sich dafu\u0308r scha\u0308men? Ein Junge mit vielen Fragen, die sich mit dem Satz \u201eWann ist ein Mann ein Mann?\u201c vielleicht am besten auf den Punkt bringen lassen. Heino Sellhorn liest die Zeilen des beru\u0308hmten Gro\u0308nemeyer-Songs vom Blatt. Uwe Schade hat sich derweil \u2013 hinter der Papierwand nur als Schattenriss sichtbar \u2013 in Schale geworfen und sein begehrtes Objekt u\u0308bergestreift: das rote Kleid.<br \/>\nMit gro\u00dfer Eindringlichkeit gelingt es Regisseurin Nina Mattenklotz und den beiden hervorragenden Darstellern, ga\u0308ngige Geschlechterrollen zu hinterfragen und zugleich eine Geschichte vom Erwachsenwerden zu erza\u0308hlen. Bruchstu\u0308cke von Erinnerungen blitzen auf. Was ist peinlich? Dem eigenen Vater a\u0308hnlich zu sehen? Wovor fu\u0308rchtet man sich? \u201eIch habe Angst rauszugehen. Ich habe Angst, dass mich keine mag\u201c, sagt Jo. Im Dunkeln steht sein Bu\u0308hnenpartner, diabolisch nur von einer Taschenlampe angeleuchtet: \u201eVerpiss dich! Dich will hier niemand haben!\u201c Kurz zuvor hat Pfundskerl Sellhorn \u2013 der auch als tapsige Ballettprinzessin eine gute Figur abgibt \u2013 sich die Springerstiefel angezogen. Sein Stechschritt knallt bedrohlich auf dem Parkett. Hier ist der Mann ganz Mann. Und Jo das Opfer. Ro\u0308cheln, Prusten, Schnaufen. Die Loop-Maschine nimmt die Gera\u0308usche auf und verla\u0308ngert sie zu einem Kopfkino der Gewalt. Dann greifen sie wieder zu ihren Instrumenten, Schade zum Cello, Sellhorn zum Kontrabass. Denn die Musik ist wesentlicher Bestandteil dieses Stu\u0308cks fu\u0308r Jugendliche ab 10 Jahren. Ein Stu\u0308ck, das nachdenklich macht, aufru\u0308ttelt, in Sekundenschnelle Stimmungen zaubert und nach 45 Minuten leider viel zu schnell vorbei ist.<br \/>\nJo hat den Mut, sich und seine Geschlechtszugeho\u0308rigkeit in Frage zu stellen, neu zu erfinden. \u201eAlles nur erfunden\u201c ist auch das Thema der \u201eSpurensuche\u201c, die noch bis Samstag spannende Inszenierungen zeigt: \u201eErnesto Hase hat ein Loch in der Tasche\u201c mit dem Ensemble Materialtheater, Stuttgart (26.6, 10 Uhr), \u201eEin Bodybild\u201c mit dem Theater Marabu, Bonn und dem cobratheater.cobra, Hamburg und Hildesheim (26.6., 20 Uhr), \u201eMutige Prinzessin Glu\u0308cklos\u201c mit dem Theater Ozelot, Berlin (27.6., 10 Uhr), \u201eDie Daniel Schneider Show\u201c mit dem Theater Mummpitz, Nu\u0308rnberg (27.6., 19 Uhr), und \u201eTrau Dich!\u201c mit der Kompanie Kopfstand, Berlin (28.6., 18 Uhr).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>\u00a0Jo im roten Kleid: Was ist m\u00e4nnlich?<\/strong><\/p>\n<p>Was ist m\u00e4nnlich? Und was braucht ein Mann, um als Mann zu gelten? Die<br \/>\nBegru\u0308ndung der Jury und ein Interview mit den Machern von \u00abJo im roten<br \/>\nKleid\u00bb<br \/>\nEingeladen zu den Mu\u0308lheimer Theatertagen 2013:<br \/>\n<a title=\"Jo im roten Kleid\" href=\"http:\/\/www.theater-triebwerk.de\/wordpress\/jo-im-roten-kleid\/\">\u00abJo im roten Kleid\u00bb<\/a><br \/>\nAutor: Heino N. Schade<br \/>\nRegie: Nina Mattenklotz<br \/>\nMit: Uwe Schade, Heino Sellhorn<\/p>\n<p>Begru\u0308ndung der Jury:<br \/>\n\u00abDieser Junge ist vielleicht zehn Jahre alt,<br \/>\nund als wenn es fu\u0308r ihn zwischen Schulhof<br \/>\nund Elternhaus nicht schon kompliziert<br \/>\ngenug w\u00e4re \u2013 jetzt kommt auch noch etwas<br \/>\nhinzu und \u00e4ndert alles: sein K\u00f6rper. Gerade<br \/>\nnoch war der einfach nur da. Eignete sich<br \/>\nwie selbstverst\u00e4ndlich fu\u0308r das Essen,<br \/>\nTrinken, Lernen, Skateboard fahren, Fu\u00dfball<br \/>\nkicken, pl\u00f6tzlich aber (wann genau ist das<br \/>\neigentlich passiert?!) will dieser K\u00f6rper was,<br \/>\nund zwar etwas sehr Eigenes, wie es<br \/>\nscheint. Beim Fu\u00dfball fu\u0308hlt er sich mit<br \/>\neinem Mal unwohl, dafu\u0308r sieht er sich jetzt<br \/>\ngern im Spiegel. Ist das nun schon peinlich<br \/>\nfu\u0308r einen Jungen? Bestimmt noch nicht.<br \/>\nAber was ist, wenn dieser K\u00f6rper nun auch<br \/>\neinmal das rote Kleid der Mutter an sich<br \/>\nspu\u0308ren will? Peinlich? Oder doch nicht? Fragen, die wieder andere Fragen folgen lassen,<br \/>\nein M\u00e4nnerleben lang. Was ist m\u00e4nnlich, wie viel braucht ein Mann davon, um als Mann<br \/>\nzu gelten. Muss er das u\u0308berhaupt, ist diese \u00abM\u00e4nnlichkeit\u00bb vielleicht doch nur noch<br \/>\neine Vokabel aus der Parfu\u0308mwerbung?<br \/>\nDie Gruppe Heino N. Schade lie\u00dfen sich von Jens Thieles gleichnamigem Bilderbuch zu<br \/>\neigenen Bildern, Texten und dramaturgischen L\u00f6sungen anregen. Schwulsein oder<br \/>\nNicht-Schwulsein, das ist hier nicht die Frage. Jedenfalls nicht die alles bestimmende.<br \/>\nDie beiden Musiker und Schauspieler pru\u0308fen Lebenshaltungen. Wer wen liebt \u2013 wie<br \/>\nschwierig die erste Antwort auch sein mag, sie l\u00f6st nicht ein fu\u0308r allemal unsere<br \/>\nProbleme, es wird noch schwieriger: Wie verhalte ich mich zu mir, wie zu anderen. Wie<br \/>\ngerecht und fair muss ich sein, selbst zu meinen Feinden. Was habe ich in diesem<br \/>\nLeben mit mir vor; darf ich Angst haben, ohne gleich feige zu sein. Bleibende Fragen,<br \/>\nganz egal, ob man nun weiblich oder m\u00e4nnlich, erst zehn oder schon erwachsen ist.<br \/>\nSchade und Sellhorn werden mit Lust und Humor grunds\u00e4tzlich aber nie allgemein oder didaktisch.<br \/>\nDas Thema ist ihnen zu gro\u00df, um es auf eine einzige Geschichte oder Botschaft zu verengen, sie erhalten seine Vielfalt durch die Mittel des Erz\u00e4hltheaters und der Collage. Das gelingt, ohne statisch zu dozieren oder szenisch beliebig zu werden. Bass und Cello, Dialog, Harlekinade, direkte Publikumsansprache und sogar Gr\u00f6nemeyer als Moritatengesang \u2013 Uwe Schade und Heino Sellhorn verfu\u0308gen u\u0308ber viele Mittel, um auf leichte Art schwierig zu werden.\u00bb Oliver Bukowski<br \/>\nTheaterheute-Muelheimer-Theatertage 2013<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Theaterheute-Muelheimer-Theatertage 2013<br \/>\n <a href=\"https:\/\/www.theater-triebwerk.de\/wordpress\/jo-im-roten-kleid-2\/\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0},"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.theater-triebwerk.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/757"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.theater-triebwerk.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.theater-triebwerk.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theater-triebwerk.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theater-triebwerk.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=757"}],"version-history":[{"count":11,"href":"https:\/\/www.theater-triebwerk.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/757\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1136,"href":"https:\/\/www.theater-triebwerk.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/757\/revisions\/1136"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.theater-triebwerk.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=757"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theater-triebwerk.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=757"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theater-triebwerk.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=757"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}