{"id":668,"date":"2004-06-19T17:26:59","date_gmt":"2004-06-19T15:26:59","guid":{"rendered":"http:\/\/www.theater-triebwerk.de\/wordpress\/?p=668"},"modified":"2013-04-29T17:30:06","modified_gmt":"2013-04-29T15:30:06","slug":"der-musterschuler-mustergultig","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theater-triebwerk.de\/wordpress\/der-musterschuler-mustergultig\/","title":{"rendered":"Der Mustersch\u00fcler: Musterg\u00fcltig"},"content":{"rendered":"<p>Es gibt diese Theaterabende, die prickeln, die bannen und die die Luft zerrei\u00dfen &#8211; und die Nerven. &#8220;Der Mustersch\u00fcler&#8221; war so ein Abend. Er prickelte. Er bannte. Er zerriss. Doch was er am meisten tat, war dies: zu zeigen, dass Theater funktioniert, wenn es einen Grund gibt, einen Grund f\u00fcr seine Existenz, einen Plot, der unbedingt raus muss und unter die Leute.<br \/>\nKein geringerer als Stephen King ist denn auch der Pate dieses Plots. Und wenn King eines versteht mit seiner Literatur, dann ist es der Aufbau von psychologischer, ja von gruselnder Spannung. Dass Stephen Kings Novelle &#8220;Der Mustersch\u00fcler&#8221; aber auch auf der B\u00fchne funktioniert (wir haben es gerade beim Triangelfestival in Konstanz erlebt), ist Erik Schaeffler zu verdanken, der die Story um Todd und den alten, inkognito lebenden SS-Offizier Dussander f\u00fcrs Jugendtheater ab 14 Jahren adaptiert hat.<br \/>\nKlar, dass so eine Thematik auf einen tr\u00fcbsinnigen Abend dr\u00e4ngt, auf Nachdenklichkeit und Depression. Und hier beginnt das Wunderwerk der Produktion des Theater Triebwerk (Hamburg) und der Theaterwerkstatt (Hannover): trotz ernster Spannung glimmen Funken von Frohmut auf, die das Blei erleichtern.<br \/>\nVier Menschen stellt die Regisseurin Martina van Boxen auf die B\u00fchne &#8211; zwei Schauspieler, zwei Musiker -, ein paar M\u00f6bel und jede Menge Whisky-Flaschen. Das reicht auch absolut. Michael Habelitz spielt den Kurt Dussander, den unter dem Decknamen Arthur Denker lebenden SS-Offizier, der f\u00fcr die Gei\u00dfelung, Vergasung und Verbrennung von 700000 Juden verantwortlich ist. Todd (gespielt von Erik Schaeffler selbst), ein adretter 15-J\u00e4hriger Intelligenzbolzen, entlarvt Denker alias Dussander, doch statt ihn anzuzeigen, geht er t\u00e4glich zu ihm und geilt sich an den KZ-Geschichten des Misanthropen und Immer-noch-Rassisten (&#8220;Judenschweine&#8221;) auf.<br \/>\nZwischen ihnen beiden spielt sich der Thriller ab. Todd und Dussander geraten allm\u00e4hlich in eine un\u00fcberbr\u00fcckbare Abh\u00e4ngigkeit: Sie brauchen einander. Sie qu\u00e4len einander und wirbeln in einem Gewinde der Gewalt. Und gegen Ende hilft Todd sogar noch dabei, Dussanders Leichen im Keller zu verscharren &#8211; ja: Dussander ist ein Pennerm\u00f6rder.<br \/>\nBeide, Habelitz und Schaeffler, schl\u00fcpfen zeitweise aber immer wieder auch in andere Rollen oder erz\u00e4hlen die Geschichte &#8211; vermutlich King im O-Ton &#8211; einfach, wie sie ist. Das tut auch dem fesselnden Spiel auf der B\u00fchne gut. Es schafft Lockerung, Chill-Out.<br \/>\nEine wichtige dramaturgische Rolle spielt dabei auch die Musik. Der Cellist Uwe Schade und der Bassist Heino Sellhorn liefern dazu sozusagen die Musik zum Film. Mit kr\u00e4chzendem Kratzen und pochendem Puls machen sie das Anziehen des SS-Mantels zum Revolverduell, mit einem Ausschnitt aus einer Suite f\u00fcr Solocello von Johann Sebastian Bach wird das Durchschneiden der Pennergurgel aufs Sarkastischste bagatellisiert, und am Ende, wenn man quasi 700000 Juden begraben hat, erklingt eine Art Klezmermarsch. Grandios.<br \/>\nEs gibt wenig Theaterabende, die so gut funktionieren. Dieser &#8220;Mustersch\u00fcler&#8221; war musterg\u00fcltig.<\/p>\n<p>Kritik zu \u201eDer Mustersch\u00fcler\u201c aus Anlass einer Auff\u00fchrung<br \/>\nbeim \u201eTriangel-Festival\u201c im Stadttheater Konstanz im Juni 2004<br \/>\nStefan M. Dettlinger &#8211; S\u00fcdkurier vom 19. Juni 2004<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>S\u00fcdkurier vom 19. Juni 2004 <a href=\"https:\/\/www.theater-triebwerk.de\/wordpress\/der-musterschuler-mustergultig\/\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0},"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.theater-triebwerk.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/668"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.theater-triebwerk.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.theater-triebwerk.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theater-triebwerk.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theater-triebwerk.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=668"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.theater-triebwerk.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/668\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":670,"href":"https:\/\/www.theater-triebwerk.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/668\/revisions\/670"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.theater-triebwerk.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=668"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theater-triebwerk.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=668"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theater-triebwerk.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=668"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}