{"id":360,"date":"2007-06-21T13:01:17","date_gmt":"2007-06-21T11:01:17","guid":{"rendered":"http:\/\/www.theater-triebwerk.de\/wordpress\/?p=360"},"modified":"2013-04-21T21:09:47","modified_gmt":"2013-04-21T19:09:47","slug":"lutz-wendler-uber-theater-triebwerk","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theater-triebwerk.de\/wordpress\/lutz-wendler-uber-theater-triebwerk\/","title":{"rendered":"Lutz Wendler \u00fcber Theater Triebwerk"},"content":{"rendered":"<p>Hamburger Abendblatt, Juni 2007<\/p>\n<p>Mit Kleinigkeiten geben sich Uwe Schade und Heino Sellhorn nicht mehr ab. Ihr neuester Coup ist ein Kidnapping, mit dem das Musikleben lahmgelegt werden soll. Die beiden Protagonisten des Theater Triebwerk sind in die Rollen des zwielichtigen Duos &#8211; oder besser: Duetts &#8211; As und Riff geschl\u00fcpft, haben den Kammerton &#8220;A&#8221; entf\u00fchrt und die \u00fcppige L\u00f6segeldforderung von zehn Millionen Euro gestellt.<br \/>\nGanz so viel kommt am Ende nicht dabei raus. Aber immerhin wurde &#8220;Das klingt verd\u00e4chtig&#8221;, die neue Eigenproduktion der freien Gruppe, gerade mit dem ersten Hamburger Kindertheaterpreis ausgezeichnet, der mit 10 000 Euro dotiert ist. \u00dcberf\u00e4llige Anerkennung f\u00fcr das Theater Triebwerk in seiner Heimatstadt. Bittere Pointe: &#8220;Das klingt verd\u00e4chtig&#8221; war bislang nur dreimal im Fundus-Theater zu sehen. Die Gruppe ohne festen Spielort hat es nicht leicht, in Hamburg ein Stammpublikum aufzubauen. Bezeichnend auch, dass Triebwerk bei der Bekanntgabe des Preises mal wieder ausw\u00e4rts war, n\u00e4mlich f\u00fcr ein zweimonatiges Gastspiel (bis zum 28. Juni) mit &#8220;Moby Dick&#8221; im Theater der Jugend in Wien.<br \/>\nGerade am fast zehn Jahre alten Longseller &#8220;Moby Dick&#8221; l\u00e4sst sich das Dilemma von Triebwerk ablesen. 1995 wurde die Gruppe auf Kampnagel von Theaterprofis gegr\u00fcndet, die allesamt unzufrieden waren mit den Jobs auf und hinter der B\u00fchne, mit denen sie in der freien Szene ihr Geld verdienten. Was sie danach auf die B\u00fchne stellten, war eine Art gelebte Utopie.<br \/>\nTriebwerk brachte j\u00e4hrlich ein, zwei Produktionen f\u00fcr Kinder- und Jugendliche heraus, die zugleich ein erwachsenes Publikum herausforderten und schon bald \u00fcberregional wahrgenommen wurden. Die Shakespeare-Adaption &#8220;Heinrich der F\u00fcnfte&#8221; und &#8220;Der Mustersch\u00fcler&#8221; nach Stephen King wurden zum Kinder- und Jugendtheatertreffen nach Berlin eingeladen. Und &#8220;Moby Dick&#8221;, eine 70-Minuten-Version des volumin\u00f6sen Klassikers von Herman Melville f\u00fcr drei Schauspieler, ist seit 1999 im Programm; und unverw\u00fcstlich, obwohl die Doppelrolle Ismael\/Ahab inzwischen vom vierten Schauspieler (Michael Habelitz) \u00fcbernommen wurde. Die Inszenierung bekam den mit 50 000 Mark dotierten Bayerischen Theaterpreis 2000, wurde vom Goethe-Institut zu Tourneen durch Indien eingeladen, war in Gro\u00dfbritannien und in den USA unterwegs und sogar zwei Wochen lang am Broadway gespielt. Und jetzt in Wien.<br \/>\nDie Kehrseite der Erfolgsgeschichte ist die Ignoranz daheim. Zwar bekommen die Triebwerk-Produktionen stets Projektf\u00f6rderung, doch wirklich zu Hause einrichten kann sich die Gruppe hier nicht, was vor allem an fehlenden Auftrittsm\u00f6glichkeiten liegt. Triebwerk ist mal auf Kampnagel oder im Altonaer Theater, mal im Fundus oder in den Kammerspielen aufgetreten, aber immer nur sporadisch. So fehlt es an der Gelegenheit, neue St\u00fccke etablieren zu k\u00f6nnen. Was insbesondere f\u00fcr die experimentellen Musik-Krimis &#8220;Supervox&#8221; und &#8220;Das klingt verd\u00e4chtig&#8221; misslich ist, die der Cellist Uwe Schade und der Bassist Heino Sellhorn in ihrer Doppelfunktion als Musiker und Schauspieler gemeinsam mit dem Regisseur Jan Pusch, der eher vom Tanztheater her kommt, erarbeitet haben.<br \/>\nBeide St\u00fccke sind komplett selbst entwickelt, Musik und K\u00f6rpersprache sind nicht minder wichtig als der Text. Beide zeigen das gro\u00dfe Potenzial der Gruppe: denn das innovative Konzept funktioniert auf der B\u00fchne hervorragend, und das Publikum wird f\u00fcr genaues Hinh\u00f6ren belohnt. Sellhorn\/Schade erz\u00e4hlen Geschichten oft musikalisch oder in T\u00f6nen. Der Diebstahl des Kammertons &#8220;A&#8221; in &#8220;Das klingt verd\u00e4chtig&#8221; beispielsweise wird ausschlie\u00dflich durch Ger\u00e4usche nachempfunden, ein brummender Motor, knirschender Schnee, knarrende T\u00fcren und ein klickendes Safeschloss werden auf den Instrumenten simuliert.<br \/>\nBeide St\u00fccke sind virtuos und h\u00f6chst publikumswirksam, doch als Work-in-progress angelegt; sie w\u00fcrden bei h\u00e4ufigem Spiel noch gewinnen. W\u00fcnschenswert w\u00e4ren also Auf\u00fchrungsserien an einem festen Ort in Hamburg idealerweise eine feste B\u00fchne f\u00fcr freies Kinder- und Jugendtheater, auf der auch andere Gruppen wie beispielsweise Kirschkern &amp; Compes, die ebenfalls meist au\u00dferhalb auftreten, mehr &#8220;Heimspiele&#8221; h\u00e4tten. F\u00fcr Triebwerk ist der Kindertheaterpreis best\u00e4tigend und ermutigend, aber eine weitergehende Motivation w\u00e4re zum jetzigen Zeitpunkt wichtig. Die Gruppe, die zeitweilig aus sieben, acht Leuten bestand, ist nach einem harten Schnitt im Januar auf den Kern von drei Leuten reduziert: Neben Schade und Sellhorn ist noch der Techniker Holger Duwe permanent dabei.<br \/>\nEin Schelm, wer das Ende von &#8220;Das klingt verd\u00e4chtig&#8221; auf die Situation von Triebwerk \u00fcbertr\u00e4gt. Im St\u00fcck misslingt der gro\u00dfe Coup, aber As und Riff alias Schade und Sellhorn (plus Gastschauspielerin Birgit Oswald) sitzen ohne Geld in der exotischen Fremde, sind aber bestens drauf, ihrer Freiheiten und F\u00e4higkeiten voll bewusst. Die Stadt Hamburg aber w\u00e4re gut beraten, wenn sie der Gruppe neue Perspektiven er\u00f6ffnete, denn Theatermacher wie Triebwerk werden in Zukunft mehr denn je gebraucht: In &#8220;Supervox&#8221; spielen Heino Sellhorn und Uwe Schade zwei Musiker, die die Welt retten, indem sie eine akustische Diktatur verhindern.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hamburger Abendblatt, Juni 2007 <a href=\"https:\/\/www.theater-triebwerk.de\/wordpress\/lutz-wendler-uber-theater-triebwerk\/\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0},"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.theater-triebwerk.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/360"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.theater-triebwerk.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.theater-triebwerk.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theater-triebwerk.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theater-triebwerk.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=360"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.theater-triebwerk.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/360\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":457,"href":"https:\/\/www.theater-triebwerk.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/360\/revisions\/457"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.theater-triebwerk.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=360"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theater-triebwerk.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=360"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theater-triebwerk.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=360"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}