{"id":1064,"date":"2014-05-02T10:14:54","date_gmt":"2014-05-02T08:14:54","guid":{"rendered":"http:\/\/www.theater-triebwerk.de\/wordpress\/?p=1064"},"modified":"2014-05-02T10:25:12","modified_gmt":"2014-05-02T08:25:12","slug":"jungs2-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theater-triebwerk.de\/wordpress\/jungs2-2\/","title":{"rendered":"Jungs."},"content":{"rendered":"<p>Hildesheimer Allgemeine Zeitung vom 29. Oktober 2013<\/p>\n<p>Pappfiguren mit Aufziehknopf<br \/>\nTheater Triebwerk \u00fcber die Ersch\u00fctterungen der Pubert\u00e4t: &#8220;Jungs&#8221;&#8221; im theo des Stadttheaters<\/p>\n<p>HILDESHEIM. Dieser Lehrer ist ein Schaf. S\u00e4uselnd seine Stimme- Wie er den Kopf zur Seite neigt. Souver\u00e4n die K\u00f6rperhaltung, jeder Rhetorik-Trainer w\u00e4re stolz auf Sperber, den Geschichtslehrer, dessen ver\u00e4chtliche Plattit\u00fcden unter der L\u00e4mmchen-Maske des Schauspielers Uwe Schade hervordringen: Da.9 Leben ist ein Spiel&#8217;\u00ab, sagt er fast verschw\u00f6rerisch zu Lennart, der soeben vom Elite-Internat geflogen ist. Ein Spiel, das du nicht meistern wirst &#8211; das ist der Subtext seines Monologs.<br \/>\nDer Blick der Pubert\u00e4t ist oft der ehrlichste, den Menschen in ihrem Leben entwickeln. Die freie Gruppe Theater Triebwerk widmet sich im theo, der kleinen Spielst\u00e4tte im Stadttheater, n\u00fct seinem St\u00fcck &#8220;Jungs&#8221; einer Zeit, in der man noch nicht durch den Filter der gesellschaftlichen Zurichtung gedr\u00fcckt worden ist. Unmittelbar, nah, fast nackt wirkt auch dieser Abend. Eine laute, musikalisch-spielerische Sinn-Odyssee.<br \/>\nAuf der kargen B\u00fchne stehen zwei Lampen, kleine, grelle Lichter strahlen die Schauspieler von hinten an, der Rest versinkt im Halbdunkel, eine schwarze Plastikfolie zieht sich im Hintergrund schr\u00e4g von der Decke bis zum Boden. Vor dieser Kulisse begegnet Lennart Figuren, die Uwe Schade mit Tiermasken vor dem Gesicht oft nur klug andeutet, kurze, manchmal surreale Schlaglichter. Dazwischen ist &#8220;Jungs&#8221; Erz\u00e4hltheater, das Freiraum f\u00fcr die eigenen Kopfbilder l\u00e4sst.<br \/>\nTobias Gronau setzt zu Anfang mit einem Song \u00fcber den Abschied vom Internat, dem vertrauten Feind, an. Barfuss, mit hochgekrempelten Jeans und Penn\u00e4ler-Pulli, br\u00fcllt er ins Mikro. &#8220;Bye, bye&#8221; den Exoten. Den Posern. Den Despoten. Und den Pappfiguren mit Aufziehknopf.<br \/>\nLennart ist 17 Jahre, 1,85 Meter gro\u00df und benimmt sich nach eigener Aussage &#8220;manchmal wie ein Elfj\u00e4hriger&#8221;. Er, der Sohn des zuk\u00fcnftigen Bundespr\u00e4sidenten, der schmierigen Prominenten die Hand sch\u00fctteln und ein repr\u00e4sentatives Jurastudium abschlie\u00dfen soll, macht sich Luft.<br \/>\nSein Schulrequiem haut Tobias Gronau mit einer Stimme zwischen Zynismus und Angst heraus, die H\u00e4nde ums Mikro gewickelt wie um einen Strohhalm der Selbstachtung. Ein w\u00fctendes Cello, kraftvoll gespielt von Uwe Schade, flankiert die Stimme, abgehetzt und ein wenig melodramatisch. Alles ist irgendwie zerrissen: die Beschimpfungen, die Lennart f\u00fcr seine Umwelt parat hat, wahrend er im Berliner Gro\u00dfstadtmoloch umherirrt und dort auf Intellektuelle, Huren, l\u00fcsterne Heranschmei\u00dfer und auch einen Menschen trifft, der sich ernsthaft f\u00fcr ihn interessiert. Die Musik ist improvisiert, Tobias Gronau spielt die Leiden des jungen Gesellschaftsverweigerers in einem Spannungsfeld, das auch die Musik bestimmt. Zwischen der Aggression, die er f\u00fcr die Erwachsenen in seinen Worten parat hat, erzahlt sein K\u00f6rper andere Geschichten: Sich selbst in eine B\u00fchnenecke zw\u00e4ngend, ist er von einer zappeligen Erwartung durchzogen, sie l\u00e4sst Beine und Arme zittern und wippen. Vielleicht ist ja doch nicht alles so sinnlos. \u201eJungs&#8221; ist w\u00fctendes Theater, das Hoffnung l\u00e4sst.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hildesheimer Allgemeine Zeitung vom 29. Oktober 2013 Pappfiguren mit Aufziehknopf Theater Triebwerk \u00fcber die Ersch\u00fctterungen der Pubert\u00e4t: &#8220;Jungs&#8221;&#8221; im theo des Stadttheaters HILDESHEIM. Dieser Lehrer ist ein Schaf. 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